Wenn du für deine Arbeit bezahlt wirst, ist das nichts anderes als ein Ausgleich von Energie. Die meisten Selbstständigen sind sich darüber absolut im Klaren. Trotzdem fällt es gerade Unternehmerinnen oft schwer, eine angemessene finanzielle Wertschätzung für ihre Leistung einzufordern. Tust du dir schwer damit, ordentliche Preise zu machen?

 

„Man muss auch mit wenig zufrieden sein“

 

Oft haben wir als Kinder gehört, dass Bescheidenheit die einzig richtige Haltung sei. Die eigene Leistung wertzuschätzen bedeutet aber auch, dafür so viel Geld zu verlangen, dass wir unseren Wünschen entsprechend leben können. Fängst du jetzt an, innerlich aufzulisten, wofür du dankbar bist und was du alles hast?

Es stimmt: Wir sind privilegiert. Wir leben in einem Teil der Welt, in dem kein Kind an Unterernährung sterben muss. Wir genießen die Sicherheit eines sozialen Systems, in dem wir nicht an behandelbaren Krankheiten eingehen, weil wir die Behandlungskosten nicht aufbringen können. Es gibt viele Gründe, dankbar zu sein. Ich finde es auch sehr wichtig, diese Dankbarkeit zu pflegen. Unsere Fülle wahrzunehmen.

Mehr zu wollen ist trotzdem nicht verwerflich, denn du bereicherst dich nicht auf Kosten von Menschen, die sich deine Dienste nicht leisten können. Dazu mehr weiter unten.

 

Deine finanzielle Lage verbessern zu wollen bedeutet nicht, dass du unverschämt bist

 

Gehörst du zu den Menschen, die materiell reich sind? Gemessen an einer Mutter von neun Kindern in einem indischen Slum – mit Sicherheit. Gemessen an Bill Gates – vermutlich eher nicht. Du bist selbständig und kannst von deiner Arbeit leben? Das ist ein großartiger Erfolg! Läuft dein Business so gut, dass du fürs Alter vorsorgen, dir Urlaub leisten, deine Familie locker versorgen und dir ein paar Wünsche erfüllen kannst? Dann hast du alles richtig gemacht und kannst direkt aufhören, diesen Blogartikel zu lesen.

Ich bin dankbar für alles, was ich habe. Ich bin dankbar für die Dinge, die ich mir leisten kann. Ich weiß aber auch: Da ist Luft nach oben. Ich bin längst nicht so gut aufgestellt, dass mir alle finanziellen Themen mehr oder minder egal sein können. Wie gut sich mein Unternehmen entwickelt, liegt zum größten Teil in meinen eigenen Händen. Ein ganz entscheidender Punkt dabei: Was bin ich mir wert und wie drückt sich das in meinen Preisen aus? Falls es dir geht wie mir, lass mich dir ein paar Punkte aufzählen, um zu unterstreichen, dass es mehr als okay ist, gut zu verdienen. 

 

 

1) Du bist Preis-wert

 

Wie viel Zeit, Geld und Energie hast du investiert, um die Expertin zu werden, die du heute bist? Worauf hast du verzichtet, wie oft zurückgesteckt, um zu dem Profi zu wachsen, den deine Kunden heute so schätzen? Du hast einen Wert geschaffen, während du dir Wissen und Können angeeignet hast. Wert-schätze das, wert-schätze dich! Sei dir sebst ein bester Freund und unterstütz deinen Erfolg durch wertschätzende Preise. Denn so handeln Freundinnen doch. Richtig? :) Sei Preis-wert, nicht billig!

 

 

2) Du arbeitest nicht, um einfach nur beschäftigt zu sein

 

Machen wir (zu) niedrige Preise, um an Aufträge zu kommen, verkaufen wir uns nicht nur unter Wert. Wir investieren in ein Missverhältnis, wir kaufen uns im Grunde Arbeit für teures Geld ein. Dabei könnten wir unsere Zeit sinnvoll in die Entwicklung unseres Business investieren, um die Kunden anzusprechen, die uns gerne bezahlen. Falls du nicht genug zu erledigen hast, gibt es bestimmt viele schöne Dinge, die du für dich tun kannst. Missbrauche dein Business nicht als Beschäftigungstherapie.

 

 

3) Du verdienst Wertschätzung

 

Was jemand uns zu zahlen bereit ist, zeigt auch, wie hoch oder gering er unsere Arbeit wertschätzt. Kunden, die unsere Arbeit nicht sonderlich schätzen, sind nicht unsere Wunschkunden – warum sollten wir für diese Menschen überhaupt arbeiten? Wer dich und deine Arbeit nicht schätzt, der hat dich und deine Leistung nicht verdient.

 

 

4) Du bist nicht allein

 

Wer (zu) wenig Geld als Ausgleich für seine Leistung verlangt, bringt alle Kollegen in Bedrängnis und schadet langfristig der Preissturktur insgesamt. Faire Preise sind nicht nur eine Sache zwischen dir und deinen Kunden; sie haben Einfluss auf deine ganze Branche. Stärke die Position deiner Profession durch ordentliche Preise, statt sie zu schwächen. „Es ist ja nur ein Zubrot“ ist übrigens keine Entschuldigung dafür, Dumpingpreise zu unterstützen!

 

 

5) Du willst langfristig selbständig sein

 

Du begrenzt deine eigenen Möglichkeiten dauerhaft, wenn du zu günstig arbeitest. Denn, wie Johanna Fritz sehr anschaulich erklärt: Was glauben wir, welchen Preis ein Kunde erwartet, der auf Empfehlung von jemandem kommt, den wir super günstig versorgt haben? Wenn du zu niedrige Preise machst, kannst du dich nicht auf Dauer am Markt halten. Und schon gar nicht von deinem Business leben.

 

 

6) Du nimmst dich als Teil der Wertschöpfungskette und des Wirtschaftskreislaufs ernst

 

Wer gutes Geld verdient und damit Geld ausgeben kann, tut anderen etwas Gutes – er sichert und schafft Arbeitsplätze. Seinen eigenen, bei Kunden (die auch aufgrund deiner guten Arbeit ihren Erfolg ausbauen können) und auch in der (Volks)wirtschaft insgesamt. Wenn du etwas kaufst oder jemanden einstellst – und seien es „nur“ die virtuelle Assistentin oder ein Raumpfleger – sorgst du dafür, dass andere von ihrer Arbeit leben können.

 

 

7) Du bist dir deiner Verantwortung und Macht bewusst

 

So lange du etwas möglich machst, obwohl die finanziellen Mittel dafür nicht bereitgestellt werden, gibt es keinen Grund für die Auftraggeber und Investoren, mehr Geld aufzwenden. Wenn sich für die Summe X niemand findet, der den Job erledigt, wird sie höchstwahrscheinlich aufgestockt. Das geschieht sicherlich nicht, wenn du eine Spitzenleistung „für den guten Zweck“ oder „die schöne Referenz“ ablieferst. Du bestimmst den Preis deiner Leistung und was sie wert ist.

 

 

8) Du willst wichtige Anliegen unterstützen

 

Nur wenn du Geld „übrig“ hast, kannst du Initiativen, Vereine und Personen finanziell unterstützen, die sich beispielsweise dem Gemeinwohl widmen. Du kannst Menschen helfen, die dir wichtig sind, wenn du finanziellen Spielraum hast. Und du kannst die Anliegen fördern, die dir für dich und die Zukunft der Menschheit und Mutter Erde wichtig sind.

 

 

9) Du hast genau das, was dein Kunde will

 

Wer einen Auftrag bekommt, hat einen Kunden vor sich, der genau das möchte, was angeboten wird. Da spielt es keine Rolle, ob wir 20 Jahre oder fünf Tage selbstständig sind; ob wir schon 1.000 Kundinnen oder erst zwei hatten; ob andere günstiger oder in deinen Augen vielleicht sogar ‚besser‘ sind. Der Kunde entscheidet sich für DICH, weil er das möchte, was DU anbietest. Das tut er nicht aufgrund von Preisen (falls nicht: Siehe Punkt 3!).

 

 

10) Du trägst das unternehmerische Risiko nicht umsonst

 

Wenn wir uns auf Dauer gerade so über Wasser halten können, welchen Sinn hat unsere Selbstständigkeit dann? Ungeachtet aller Punkte in meinem Blogartikel über die Großartigkeit des Lebens als Unternehmerin: Selbstständig zu sein ist ein so großer Aufwand und mit so vielen Risiken verbunden, dass sich diese Investition unserer Kraft und Lebenszeit auch finanziell auszahlen muss. Es ist dein „Baby“, also nähre es!

 

 

11) Du bist wichtig und deine Arbeit wertvoll

 

Gerade diejenigen unter uns, die mit ihrer Arbeit dafür sorgen, dass das Leben schöner, angenehmer und reicher ist, müssen gutes Geld verlangen. Sonst können sie nicht lange tun, worin sie großartig sind und womit sie unser aller Leben bereichern. Weil sie dann nämlich auf andere Weise ein Einkommen generieren müssen. Oder, wie Julie Weißbach es ausdrückt: Der Honig um den Bart macht nicht lange satt. Natürlich auch die Menschen nicht, die vielleicht von deinem Einkommen abhängig sind.

 

 

12) Du bist eine große Hilfe

 

Mit deinem Angebot hilfst du einem anderen Menschen oder Unternehmen. Es ist nicht so, als würdest du einem Bedürfigen das letzte Brötchen stehlen – deine Leistung ist ein wichtiger Teil in der Wertschöpfungskette oder des persönlichen Wachstums deines Kunden. Sonst würde er dich auch nicht buchen, beziehungsweise bei dir kaufen. Du nimmst ihm eine Aufgabe ab, die er erledigt haben muss oder möchte. Du gibst ihm etwas, das er selbst nicht erreichen kann, weil ihm die Zeit, das Wissen oder die Kompetenzen fehlt.

 

 

Preise: Wer Geld für Investitionen hat, wird besser

 

Ein wichtiger Punkt, den ich noch nicht genannt habe: Wenn du genug Einkommen hast, kannst du in dein Unternehmen investieren. In dich investieren. Du wirst besser durch Fortbildungen, Lernphasen und Auszeiten zur Inspiration. Du kannst kreativer sein und Kräfte sammeln, wenn du nicht ums Überleben kämpfen musst. Du kannst dir besseres Material leisten.

 

Wenn du dich wertschätzend bezahlen lässt, kannst du deine Kunden langfristig immer besser glücklich machen!

 

Ich hoffe, du hast für dich ein paar überzeugende Argumente gefunden, warum du jedes Recht hast, gute Preise zu verlangen. Was aber tun, wenn du dich selbst häufiger dabei ertappst, eher unfreiwillig zu niedrige Preise anzusetzen? Hier vier wertvolle Tipps für alle, denen es schwer fällt, für ihre Leistungen einen Ausgleich einzufordern, der sie glücklich macht und gut versorgt.