In den letzten paar Nächten habe ich furchtbar schlecht einschlafen können. Von gestern auf heute war ich schließlich so entnervt, dass ich aufgestanden bin und mich an den PC geschmissen habe, um meine zukünftigen Angebotspakete mal im Rohentwurf fertig zu konzipieren. Kann man ja machen, wenn man selbständig ist.

Danach ging es mir besser. Ich hatte zwar immer noch Mühe mit dem Einschlafen, aber eben für meine Verhältnisse. Normalerweise lege ich mich nämlich hin und bin fünf Minuten später im Reich der Träume. Das war schon immer so. Allerdings war ich jahrelang nie wirklich wach.

Als ich mit dem Studium anfing, sagte meine Mutter zu mir, ich sei „gar nicht mehr so zombiemäßig“. Ich dachte darüber nach und stellte fest, dass ich meine gesamte Schulzeit in einem Zustand permanenter Übermüdung zugebracht hatte. Es war mir nur nicht aufgefallen, weil ich dachte, das sei normal. War es ja auch, es war immer gleich. Gleich schlecht eben.

 

Als Unternehmerin bestimme ich über meine Arbeitsbedingungen

 

Meine Konzentrationsfähigkeit und Motivation sind dann am höchsten, wenn andere Menschen längst schlafen. Dafür bin ich vor der Mittagszeit quasi nicht zu gebrauchen. Ausnahmen sind tageweise möglich, aber wenn ich versuche, meine Eulenseele in die konventionellen Gesellschaftsvorgaben von Arbeitszeit zu pressen, wechsle ich direkt wieder in den Zombiemodus. Deswegen mache ich das nicht.

Ich schlafe, wenn andere langsam wieder aufstehen. Ich schlafe sechs Stunden. Wenn ich nicht so viel Arbeit habe, acht. Ich wache ohne Wecker auf, wenn meine Akkus voll sind, etwa zwei Minuten vor der angepeilten Zeit. Es ist eins der größten Geschenke, das mir die Selbständigkeit gemacht hat: Nach meinen Rhythmus leben. In Ruhe arbeiten.

Die beste Leistung erbringe ich, wenn ich alleine und ungestört in einer für mich optimierten Umgebung werkeln kann. Es ist mir wichtig, dass meine Arbeit meinen Ansprüchen entspricht; ich möchte Qualität liefern. Den Maßstab lege ich fest, in Absprache mit meinen Kundinnen und Kunden. Es gibt keinen Chef, der mir Vorgaben macht. Wichtiger Punkt!

 

Ich habe keine Vorgesetzten, denen ich es Recht machen muss

 

Überhaupt ist es für mich ziemlich großartig, Freelancer zu sein. Mit Vorgesetzte hab ich es nämlich auch nie so besonders gehabt. Es gab nie größere Kollisionen, dafür bin ich zu sozialkompetent. Aber doch viele Situationen, in denen ich innerlich vor Wut gekocht habe. Jetzt brauche ich mir das nicht mehr anzutun.

Ich suche mir aus, mit welchen Menschen ich zusammenarbeiten möchte. Ich bestimme, mit welchem Geld ich zufrieden bin, was ich unterstütze und wen. Ich tue das, was ich gern mache und ich tue es für meine Kunden und mich. Es gibt keine Trennung mehr zwischen Arbeit und Leben. Damit sind wir dann irgendwie auch bei den Nachteilen. Selbst und ständig.

 

Unternehmerin zu sein ist eine spannende Herausforderung

 

Ich habe keine Berufsunfähigkeitsversicherung, weil die nun mal nur Menschen bekommen, die perfekt gesund sind und immer waren, wie es scheint. Ich muss mich um alle Risiken selbst kümmern. Wenn ich nicht arbeite, habe ich auch kein Geld. Es ist niemand da, der mir die Verantwortung abnimmt, wenn es Probleme gibt oder der mir sagt, was ich tun soll (wobei ich sehr geneigt bin, das in 99% aller Fälle als Vorteil zu begreifen).

Ich muss mich mit bürokratischen, juristischen und technischen Hürden und Anforderungen selbst befassen. Mein Arbeitsmaterial bezahlen. Konsequent sagen: Jetzt habe ich frei; Stichwort Selbstfürsorge. Das ist mir 2017 beispielsweise nicht wirklich gelungen.

Als Selbständige muss ich meine Rente, Krankheitsphasen und alle möglichen Un-fälle einkalkulieren. Mich mit der Frage befassen, wie und was ich versichern möchte und wo ich ins Vertrauen gehe und mir sage: das passiert einfach nicht. ;) Es kostet Zeit, Energie und Mut, sich sichtbar zu machen. Man stößt an seine persönlichen Grenzen und auf individuell schwierige innere Themen.

Es ist viel Arbeit, ein Business so aufzustellen, dass es zukunftsfähig ist, rentabel, erfüllend und attraktiv. Schöpfergeist entspricht mir; ich bin sehr glücklich mit meiner Marke und meinem Unternehmen. Aber Vielseitigkeit ist schwerer an den Kunden zu bringen als eine spitz formulierte Nischenplatzierung.

Marketing, strategische Überlegungen und die Zahlen im Griff zu haben gehört ebenfalls dazu. Das erfordert Disziplin, aber auch das Augenmaß dafür, wie viel Zeit und Geld man investiert. Ich bin kreative Dienstleisterin und habe viel Freude an dem, was ich tun darf. Dafür bin ich dankbar. Trotzdem braucht man Zeit für sich – und manchmal Anschluss. Ein Netzwerk von Gleichgesinnten. Auch das will gepflegt werden!

 

Mein Tipp: Mit Menschen auf der gleichen Wellenlänge arbeiten

 

Trotz der nicht unbeträchtlichen Nachteile des Selbständigendaseins würde ich nie, nie wieder als Angestellte arbeiten wollen. Und weil ich es so wertschätzen kann, MEIN DING zu machen, möchte ich auch andere Menschen dabei unterstützen, genau das zu tun. Schöpfergeist ist der perfekte Partner für die Unternehmerinnen und Unternehmer, die wissen, wofür sie brennen. Die ihre Arbeit lieben und meine wertschätzen.

Dass ich konsequent darauf achte, nur mit den Menschen zu arbeiten, zu denen ich passe, hat sich für mich bewährt. Ich habe noch nie Probleme mit offenen Forderungen oder größere Konflikte mit meinen Kunden gehabt. Ich kommuniziere meine Werte klar und eindeutig, beispielsweise auf meiner Website. Was aber, wenn eine Anfrage bei mir landet, von der ich spüre, dass ich ihr nicht gerecht werden kann? Auch das sage ich klar und vermittle den Auftrag auf Wunsch anderen Textern oder Designern.

Lohnt es sich, selbständig zu sein? Wenn du es wirklich mit allen Konsequenzen willst: Ja! Unbedingt. Ich finde, es sollte noch viel mehr Menschen geben, die zu ihren eigenen Bedingungen das tun, was sie erfüllt. Denn dann entsteht Großartiges. Win-Win! Die wichtigste Voraussetzung dafür: Durchhaltevermögen und die Fähigkeit, sich selbst mit allen Stärken und Schwächen anzunehmen. Das ist mein Standpunkt dazu. Ich bin gespannt darauf, zu lesen, welche Erfahrungen du gemacht hast.